Review: Podiumsdiskussion zum Kraftwerk Mitte
Montagabend, 22. November: Podiumsdiskussion zum Für und Wider beim Kraftwerk Mitte mit etwa 60 geladenen Gästen. Einen Audiomitschnitt werden wir in den kommenden Tagen hier veröffentlichen können, eine zusammenfassende Wortmeldung von Peter Kulka und Eindrücke vom Abend liefert ein aktueller Videobeitrag bei Dresden Fernsehen.
Auf Einladung des Forum Tiberius trafen sich der moderierende Journalist Michael Bartsch mit Ralf Kukula und Jana Betscher von der IG Kraftwerk Mitte, Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), Architekt Peter Kulka sowie Prinz Wilhelm von Hessen, Geschäftsführer der Firma Silicon Micro Sensors und August Zörgiebel, Geschäftsführer der Deutschen Werkstätten Hellerau. Der eingeladene Geschäftsführer der Spinnerei Leipzig, Bertram Schultze,war leider an diesem Abend nach Zusage verhindert.
Nachdem Architekt Peter Kulka mit einer flammenden Rede die Diskussionsrunde eröffnet hatte, wurde schnell klar, dass kaum jemand Zweifel an dem Nutzen eines “Kulturkraftwerks” für die Entwicklung der Stadt hegt – allein in der Frage der Finanzierung treffen Interessen eines ausgewogenen Haushalts auf die Notwendigkeiten einer modernen Stadtentwicklung. Hart ins Gericht gingen Teilnehmer und Wortmelder aus dem Publikum mit der Stadt Dresden und einem beklagtem Mangel an Offenheit für innovative Ansätze und ganzheitliches Denken in der Entwicklung besonders des Kulturbereichs.
Als IG Kraftwerk Mitte war uns wichtig, neben der reinen Kalkulationsdiskussion die nachhaltigen positiven Effekte für die Standortattraktivität in den Vordergrund zu stellen und darzulegen, dass eine Kostendiskussion nicht ohne umfassende Betrachtung der mittel- und langfristigen Auswirkungen auf Abwanderungseffekte, Lebensqualität und Standortattraktivität geführt werden kann und darf. Diese Meinung traf insgesamt auf die Zustimmung aller Beteiligten. Zudem wurde hier wieder klar, dass die Kostendiskussion auch ohne Einbezug derartige Effekte einseitig geführt wird: Sowohl Staatsoperette als auch das Theater Junge Generation benötigen dringendst eine Neubauperspektive – was mit oder ohne den Standort Kraftwerk Mitte massive Investitionen bedeutet.
Lutz Vogel, ehemaliger Erster Bürgermeister, sprach vielen der Anwesenden aus der Seele, als er einen kräftigen “Entwicklungsimpuls” der Stadt forderte, der “im Ringen um die kreativen Milieus” jetzt dringender denn je notwendig sei, um Dresden auch langfristig einen Platz unter den europäischen Kulturadressen zu sichern. Das Projekt Kraftwerk Mitte als Cluster für Kultur und Kreative könne hier nur der Beginn einer langfristigen Entwicklung sein, wurde in mehreren Wortmeldungen gefordert.
Seitens des Forum Tiberius würdigte man das bürgerschaftliche Engagement, welches letztlich eine vielfach wichtige Grundlage für erfolgreiche Stadtentwicklung sei.
Nach dem knappen Beschluß des Stadrates vom 28. November kommt es nun darauf an, Haushaltsmittel für die Umsetzung des Beschlusses zu sichern und ein Modell für die konzeptionelle Arbeit an einem Kreativ- und Kulturleuchtturm im Herzen Dresdens zu erarbeiten. Vorerst jedoch wird in der Stadtratssitzung am 16. Dezember der Doppelhaushalt 2011/12 verabschiedet werden – und damit eine Entscheidung über schnelle Umsetzung oder weiteren Stillstand im Kraftwerk Mitte gefällt.
